Ich fing vor zwei Jahren an, Experimente mit Online-Unterricht zu machen. Es gab viel zu lernen:
  • Die technische Seite - Bild und Ton mußten adäquat sein;
  • etliche mit der Technologie des Internets zusammenhängende Angelegenheiten;
  • wie man mittels dieser Technologie effektiv Mandolinenunterricht erteilen kann...         
Meine Untersuchungen warfen auch manche unerwartete Frage über den Lerrnprozess im allgemeinen auf:
  • Es fiel mir zum Beispiel ein, dass mein allererster Mandolinenlehrer ziemlich schwerhörig war. Trotzdem aber vermochte er sehr gut, mir die Information zu vermitteln, die ich brauchte, und zwar auf eine Art, mit der ich etwas anfangen konnte. Wie machte er das bloß?
  • Ich hörte mal von einem begehrten Trompetenlehrer in Belgien, dessen Lippe in einem Autofall beschädigt worden war. Wie wichtig ist die Fähigkeit, einem Schüler etwas vorzuspielen?
  • Einmal wohnte ich selbst einer Klavierstunde bei, wo der "Schüler" ein schon erfolgreicher konzertierender Künstler war. Die Lehrerin hatte schon längst aufgehört, das enorme tägliche Übepensum abzusolvieren, das für aktive Pianisten nicht ungewöhnlich ist - jene Lebensphase lag schon hinter ihr. Obwohl sie während der Stunde keine Taste anrührte, sollte man nicht denken, dass es nur um Interpretation ging. Im Gegenteil: das Gros der Stunde ging für detaillierte Diskussionen über Fingersatz auf.
  • Es ist eine Binsenweisheit, dass jemand, der in irgendeinem Bereich sehr gut ist, und sei es Musik, Mathematik oder Fußball, keineswegs automatisch gut unterrichten kann. Die Erklärung ist oft in der Begebenheit zu suchen, dass begabte Koryphäen die Probleme anderer manchmal einfach nicht nachvollziehen können: sie haben ja selber keine! - Man hört oft nach einem Mandolinenseminar: "Die Lehrer konnten aber fantastisch spielen!" Das ist schön, aber hoffentlich fragen sich Teilnehmer auch, wieviel Verwertbares sie bei den Lehrern gelernt haben.
Ich möchte diese Seite u.a. benutzen, um über den Prozess des Online-Unterrichts nachzudenken. Viele technische Probleme sind inzwischen gelöst worden, in hohem Maße dank der Geduld und Treue meiner Schüler. Es handelt sich also vielmehr um die Besonderheiten der Situation, und wie man sie nützen kann, um guten Unterricht zu ermöglichen.

Es ist interessant and erfreulich, dass kaum jemand, der einmal mit Unterricht begonnen hat, später aufgehört hat. Hin und wieder nimmt jemand das Angebot zweier kostenloser Ausprobierstunden an, und macht dann nicht mit regelmäßigem Unterricht weiter. Wie aber deutlich aus der Website hervorgeht, dies ist für mich vollkommen in Ordnung. Ich genieße die Begegnungen und Gespräche, und außerdem - vielleicht entschließen sich diese Leute später zu regelmäßigen Stunden.

Offensichtlich weil das Unterrichtsverfahren Internetbasiert ist, bekomme ich viele Emails von Schülern. Manchmal handelt es sich um Themen, die aktuell im Unterricht behandelt werden, manchmal sind sie einfach nett! Also möchte ich gelegentlich Post von Schülern veröffentlichen - natürlich anonymisiert und/oder mit ihrer Erlaubnis. Vielleicht bekommen Sie dadurch ein Gefühl dafür, wie diese sehr neue Art des Unterrichts funktioniert.

Ich werde auch manchmal etwas über meine eigenen Gedanken veröffentlichen. Wenn Sie neugierig sind, empfehle ich auch eine Artikelserie von mir, die vierteljährlich in mehreren Zupfmusikzeitschriften in Englisch erscheint (CMSA Journal-USA; Plucked Strings in Australien; the Newsletter of the British BMG Federation.) Lassen Sie mich bitte wissen, wenn eine deutschsprachige Fassung erwünscht ist. Schon in deutscher (und englischer) Sprache erhältlich ist mein "Das Mandolinenspiel" (erschienen bei Trekel).

Aber genug für heute...