Da das Thema so neu ist, gilt mein Hauptinteresse seit Monaten dem Online-Unterricht. Dieser macht auch großen Spaß, und ich stelle etwas zu meiner Überraschung fest, dass ich mich auf die wöchentliche Stunde mit meinen Klienten ("Schüler" scheint irgendwie das falsche Wort) genau so freue, wie beim Unterricht Angesicht zu Angesicht. Wie auch sonst unterhalten wir uns intensiv über die Mandoline, aber auch - wiederum wie auch sonst! - über allgemeine Dinge. Gerade die Presidentschaftswahlen sind bei den Amerikanern sehr aktuell - und das Wetter ist auch meist anders in Wien oder San Francisco oder Brisbane als in Marburg/Lahn, wo ich wohne.

Meine fernen Musikfreunde besuchen auch manchmal Kurse bei anderen Kollegen (die ich natürlich auch meist kenne - die Zupferwelt ist überschaubar!), und das wirft auch manchmal interessante Themen auf, zumal meine Einstellungen in mancher Hinsicht von gängigen Lehrmeinungen abweichen.

Und dann gibt's auch immer verschiedene Schreibarbeiten. Neben Komponieren, was letztlich in erster Linie ein persönliches Vergnügen ist, gibt's immer etwas zu bearbeiten. Außerdem nehme ich sehr ernst eine Serie über Fingersatz und Mandolinentechnik, die seit einigen Jahren vierteljährlich in etlichen englischsprachigen Zupfmusikzeitschriften in aller Welt erscheint.

In letzter Zeit war es besonders spannend, zu hören, wie Kompositionen von mir (insbesondere "Three Miniatures" für Zupforchester und Schlagwerk) bei Spielern und Publikum des Internationalen Zupfmusikfestivals in Perth (Australien) ankamen (sehr gut!), wo ein langjähriger amerikanischer Freund, der Gitarrist und Dirigent Mark Davis, sie zur australischen Erstaufführung brachte. Der fantastische und auch in Europa bekannte (Dr.) Jim Bates wird sie in einigen Monaten auf der Convention der Classical Mandolin Society of America mit dem riesigen Teilnehmerorchester spielen, und da freue ich mich auch sehr auf Aufnahmen und Reaktionen. In mehreren europäischen Ländern haben sie schon guten Anklang gefunden.

Nun habe ich aber selbst zugunsten anderer Aktivitäten einige Monate lang auf aktives Dirigieren verzichtet, und merke, wie sehr mir das Selbst-Musik-Machen fehlt. Da ich hörte, dass die ehrwürdige Mandolinata Mannheim einen künstlerischen Leiter suchte, habe ich Sondierungsgespräche geführt, und freue mich mittlerweile sehr darauf, mitte September mit der richtigen Arbeit dort zu beginnen.

Zumal ich mehrere Spieler schon kenne, handelt es sich auch um eine Art Wiedersehen mit Freunden. Außerdem aber scheinen die Musiker voller Abenteuerlust und Eifer zu sein - und das bin ich auch!

Mehr darüber zu gegebener Zeit...