Wirksame Kommunikation ist der wesentliche Aspekt schlechthin jedes Unterrichtsgeschehens. Wie man aber diese gelungene Verständigung erreicht, kann durchaus von der Unterrichtssituation abhängen, etwa ob Einzel- oder Gruppenunterricht, konventioneller Angesicht-zu-Angesicht-Unterricht, oder der neuartige Videounterricht im Internet.

In meinem Heimatland Australien, zum Beispiel, funktioniert der Fernunterricht per Funk für Kinder in entlegenen Gegenden teils ganz anders als Unterricht in einem Klassenzimmer in Sydney. Zwar sollen beide Schülersorten letztlich das gleiche Wissen erwerben, die Art und Weise aber, in der sich der Unterrichtsprozess abspielt, ist situationsbedingt teils ganz verschieden.

Bei konventionellem Mandolinenunterricht nun, bei dem sich Schüler und Lehrer physisch sehr nah sind, ist es für den Lehrer leicht, z. B. einen Greiffinger des Schülers sanft und unauffällig zurecht zu rücken, um einen Ton sauberer zu machen, oder den Schüleranschlag durch eine gezielte Druckmodifizierung so zu beeinflussen, dass der erzeugte Klang für den jeweiligen musikalischen Zweck geeigneter ist.

Über das Internet stehen solche Möglichkeiten direkten physischen Eingreifens nicht (oder zumindest noch nicht...) zur Verfügung. Seit ich aber auch per Video unterrichte, habe ich oft ganz unerwartete Möglichkeiten entdeckt, Einfluss auf das zu nehmen, was der Schüler am anderen Ende der Internetverbinding erlebt. Und ich weiß, dass es immer noch mehr über die Anwendung und Möglichkeiten dieses faszinierenden neuen Unterrichtsverfahrens zu lernen gibt.

Jeder Lehrer entwickelt im Laufe der Jahre einen eigenen Stil und eigene Lehrmethoden - quasi eine persönliche "Trickkiste des Unterrichts" - und jeder gute Lehrer weiß ausserdem noch, dass jeder Schüler sowieso einmalig ist, und manchmal individuell an den Lernstoff herangeführt werden muss. Der Unterrichtsprozess ist eben anders als der Strumpfeinkauf, wo "eine Größe für alle passt".

Gewisse Unterrichtstechniken und -materialien eignen sich besonders zum Internetunterricht. Diese reichen u.a. von HightechRessourcen wie Klang-, Bild- oder Textdateien, die auf Knopfdruck blitzschnell und kostenlos über die halbe Welt gesendet werden, bis zu verbalen Fähigkeiten und schlicht Einfühlvermögen, die Online nicht minder wichtig sind als in einer konventionellen Lehrsituation. Die richtige Formulierung, den passenden Wortlaut zu finden - eben das, was für den jeweiligen Schüler passt - unterscheidet oft einen Lehrer von einem anderen, und etwas, was dem einen Schüler einleuchtet, mag für den anderen ganz unverständlich sein.

In meinem besonderen Fall bin ich sehr froh, dass ich Schüler an mein Buch, "Das Mandolinen-Spiel" (TB 2009 vom Joachim-Trekel-Verlag, Hamburg), verweisen kann. Das Buch enthält detaillierte Information über mehrere grundlegende technische Themen, und es ist oft sehr bequem für mich einfach so etwas zu sagen wie: "Schau dir bitte erst Seite 37 an, und dann können wir mehr darüber sprechen!"

Das Buch ist so aufgebaut, dass der Schüler präzis-beschriebene Abläufe ausführt, die zu einem gewissen Lernziel bzw. Lernerlebnis führen. Der Schüler wird aufgefordert, Verschiedenes auszuprobieren, es körperlich sowie geistig wahrzunehmen, nachzudenken und sich zu beobachten.

Als Lehrer will ich nämlich nicht, dass Schüler etwas bloß machen, weil ich es anbefohlen habe. Vielmehr sollen sie selbst überzeugt sein. Meine Schüler sollen kritisch sein, Fragen stellen, und sich nicht genieren, ggf. zu diskutieren.

Natürlich sage ich auch manchmal: "Nun - eigentlich hast du noch nicht das nötige Wissen, um diese Thematik anzugehen, aber frage mich bitte zu einem späteren Zeitpunkt wieder!" Meist haben meine Schüler genug Vertrauen in mein Urteilsvermögen, dass sie damit zufrieden sind.

Im "Mandolinen-Spiel" war ich bemüht, den Stoff systematisch vorzustellen, die Bausteine so zusammenzufügen, dass der Schüler richtig auf den jeweils nächsten Schritt vorbereitet wird.

Das Buch hat sich für viele Online- wie konventionelle Schüler als nützlich und wertvoll erwiesen, und mir manche langatmige Erklärung erspart! Unter vielen netten Reaktionen darauf gefällt mir insbesondere der Kommentar einer versierten Kollegin und bisweiligen Schülerin aus den Niederlanden, die sagte: "Wenn ich das Buch benutze, meine ich, förmlich deine Stimme zu hören!"

Es gefällt freilich nicht jedem. Ich meine aber, dass einige Leser das Entscheidende verfehlen, weil sie den richtigen Umgang mit dem Buch nicht verstehen - oder vielleicht nicht verstehen wollen. Es handelt sich nämlich um ein aktives Erleben, und das Buch eignet sich weder zum Lernen im Schlaf noch als Ersatz für die Bildzeitung im Zug.

Selbst wer das Buch von der ersten bis zur letzten Seite durchliest, aber ohne die Anweisungen gewissenhaft und unvoreingenommen auf dem Instrument umzusetzen, geht schlicht an der Sache vorbei, und solche Leute kenne ich auch. Wie Schiller aber riet: "Mach es wenigen recht; vielen gefallen ist schlimm."

Das Verfassen des "Mandolinen-Spiel" hat mir viel Spaß gemacht, und das Erarbeiten dessen sollte dem Spieler nicht nur gewisse Einsichten ermöglichen, sondern auch Vergnügen bereiten.

So ein Blog ist nicht die richtige Stelle, um aus dem Zusammenhang gerissene Auszüge zu veröffentlichen. Kaufen Sie es einfach doch, und arbeiten Sie sich durch! Sie können mir gern ggf. auch Online Fragen stellen - siehe meine Website für Kontaktdetails.

Trotzdem dachte ich aber, es könnte lustig sein, hin und wieder allgemeine und nicht inhaltsbezogene Sätze hier zu zitieren. Vielleicht bringen sie Sie zum Schmunzeln oder Nachdenken, oder vielleicht finden Sie sie einfach völlig daneben. Nun ja - wie Schiller sagte...